⚰️ Die Gruft von Barbados: In einer versiegelten Steinkammer sollen sich schwere Bleisärge immer wieder von selbst umgeworfen haben. Der Gouverneur streute Sand aus, um den Spaßvogel zu erwischen. Es half nichts
Bei diesem Fall gefällt mir vor allem eines: Es wurde damals tatsächlich eine Art Experiment gemacht. Jemand hat sich hingesetzt und überlegt, wie man einem Betrüger auf die Schliche kommt. 😳
Christ Church, Barbados, zwischen 1812 und 1820. Die Familie Chase besitzt dort eine Gruft, ein massives, in den Fels gehauenes Gewölbe, verschlossen mit einer schweren Steinplatte. Darin stehen mehrere Särge, teils mit Blei ausgekleidet und so schwer, dass mehrere Männer nötig sind, um einen zu bewegen.
Nach den überlieferten Berichten geschieht bei jeder neuen Beisetzung dasselbe: Man öffnet die Gruft und findet die Särge durcheinander. Umgekippt, quer, einer soll aufrecht an der Wand gestanden haben. Jedes Mal werden sie ordentlich zurückgestellt, jedes Mal wird die Kammer wieder versiegelt, und beim nächsten Öffnen ist wieder Chaos.
1820 nimmt sich der damalige Gouverneur der Insel, Lord Combermere, der Sache persönlich an. Er lässt die Särge ordnen, den Boden mit feinem Sand bestreuen, um Fußspuren sichtbar zu machen, und die Steinplatte mit dem Siegel des Gouverneurs versiegeln. Neun Monate später wird geöffnet. Die Siegel sind laut Bericht unversehrt, im Sand ist keine einzige Spur, und die Särge liegen wieder wild durcheinander. Daraufhin wurde die Gruft geräumt und aufgegeben. Leer steht sie bis heute.
Und jetzt der wichtige Haken: Die Beleglage ist dünner, als die Geschichte klingt. Die frühesten ausführlichen Schilderungen erschienen erst über ein Jahrzehnt nach den Ereignissen, zeitgenössische Aufzeichnungen aus der Zeit selbst fehlen weitgehend. Als nüchterne Erklärungen wurden Grundwasser und Überflutung genannt, dazu Erdbeben in der Region. Nur schwimmen Bleisärge schlecht, und ein Beben hätte kaum die Siegel geschont.
Ich sag's mal so: Keine Ahnung, ob in Barbados wirklich jemand die Särge umgeschmissen hat, aber ich dachte, ich berichte es mal. Am Ende bleibt eine leere Gruft, ein Gouverneur mit einem sehr vernünftigen Einfall und eine Geschichte, die erst zehn Jahre später richtig aufgeschrieben wurde. Genau da wird es unsauber.
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