"KOPFGESCHICHTEN"
»SO EINE LAPPALIE MIT SO EINEM RATTENSCHWANZ (3)« Fortsetzung
…Ein Erwachsener würde mit seinem Kopf gar nicht bemerken, wie spektakulär und bereichernd diese Momente für dieses Kind sind. Doch das Kind hat mit diesen einfachen Dingen des Lebens eine wunderbare Zeit verbracht und ihnen einen Wert gegeben.
Was wäre, wenn ich mir selbst und den einfachen Dingen in meinem Leben auch mehr Wert geben würde? Wie oft sagt mein Kopf: Hach, hast heute fast nur rum gesessen. Aber die inneren Bilder und Ideen, die ich während dieser Zeit hatte, diese heilvollen und entspannten Momente, die mein Körper so genossen hat, die erwähnt er nicht.
Er versucht mir einzureden, dass ich zu wenig gemacht habe und so weiter. Kennst du das? Und was passiert, wenn ich diesem Gedanken meine Zustimmung gebe, wenn sich mein Gemüt unbewusst von diesen Worten hat runter ziehen lassen? Ich bin plötzlich unzufrieden, fühle mich nutzlos und mache mir vielleicht sogar selbst Vorwürfe. Und dann gehe ich mit dieser Unzufriedenheit ins Bett und erwarte, dass ich mich über Nacht erhole?
Nein, nicht mit mir! Ich schule mein Bewusstsein täglich dahingehend, dass mir genau diese Geschichten nicht mehr passieren.
Die Kopfgeschichte, um die es eigentlich geht, diese unspektakuläre Sache, die ich doch besser für mich behalten sollte, ist folgende:
Es ist heiß, die Sonne brennt. Jedes Kleidungsstück an unserem Körper bringt uns ins Schwitzen. Doch wir machen uns auf zum Supermarkt, ca. 1 km Fußmarsch. Richie mit dem Rucksack auf dem Rücken und ich mit meiner Schultertasche. Denn wir brauchen neue Lebensmittel. Ganz besonders freue ich mich auf neue Avocados, weil ich seit 2 Tagen schon beim Frühstück darauf verzichten musste, weil keine mehr da waren.
Doch leider gibt es dort in diesem recht großen Supermarkt keine mehr. Hmm, schade, denkt es in mir. Als wir zurück gehen, kommen wir an die Weggabelung, an der es rechts zum Van geht und nach links zu einem weiteren Supermarkt.
An dieser Weggabelung zögere ich und bleibe schließlich stehen. Ich sehe, wie Richie der Schweiß über die Stirn läuft und er gerne weiter gehen möchte.
Nun beginnt das Kopfspiel:
„Soll ich nach links zu dem anderen Supermarkt gehen, um zu schauen, ob es dort noch Avocados gibt? Ach, stell dich nicht so an. Du kannst auch weiter verzichten. Richie schwitzt und ist froh, wenn wir wieder zurück sind. Begleite ihn und lass ihn nicht länger warten!“
Richie bemerkt, dass ich nachdenke und fragt mich, was los ist. Ich reagiere sofort mit den Worten: „Ach, nichts. Ich dachte nur kurz, ich könnte ja dort mal nach Avocados schauen. Aber das muss nicht. Komm, lass uns zurück gehen. Du bist froh, wenn du den Rucksack ablegen kannst!“
Doch Richie kommt mir, meinem Herzen, nicht meinem Kopf entgegen und erinnert mich daran, mich wichtig genug zu nehmen und mir diese Avocados zu holen, falls dort welche sind.
Ich bekomme kurz ein schlechtes Gewissen und freue mich über diese Erlaubnis. Doch das brauche ich gar nicht. Es ist ok. Und es ist ok für ihn, schon alleine zurück zu gehen und ich habe die Zeit, nach Avocados zu schauen.
Wow, so einfach. So wunderbar. Ich merke, wie sich mein Brustkorb öffnet und gebe Richie dankbar einen Kuss auf seine schwitzigen Lippen, bevor er sich umdreht. Er geht nach rechts und ich gehe nach links. Und in diesem kleinen schnuckeligen Supermarkt gibt es tatsächlich noch ein paar Avocados und mein Herz lacht und freut sich schon aufs morgige Frühstück.
Und auf dem Rückweg dachte ich: Früher hätte ich nicht einmal gesagt, was ich gedacht habe. Ich hätte es schon vorher abgeschmettert und hätte die Zähne zusammen gebissen und gedacht: Ja, schade, aber jetzt muss ich verzichten.
Und ich hätte wahrscheinlich schlechte Laune bekommen, weil ich diesen kleinen Frust darüber, nicht gut genug für mich gesorgt zu haben und weitere Tage auf Avocados zu verzichten, in mir herum getragen.
Und mein Partner hätte gespürt, dass mit mir etwas nicht stimmt, aber nicht gewusst warum. Und oft laufen genau diese kleinen Gedankenspiralen so leise ab, dass sie schon bald ins Unbewusste abdriften und man sich tatsächlich kurz danach gar nicht mehr erinnert, warum man gerade so mies drauf ist.
Hast du dich schon einmal gefragt in einer solchen Situation, warum du gerade schlecht gelaunt bist und hast keine direkte Antwort darauf gefunden? Ich glaube, dass da genau so eine Sache in dir abgelaufen ist, der du zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hast und die deshalb unbewusst geblieben ist. Vielleicht aus mangelndem Respekt, aus mangelnder Liebe und Aufmerksamkeit dir selbst gegenüber.
Ja, und heute gelingt es mir, mich nicht als „Extrawurst“ oder sonst wie falsch zu fühlen, nur weil ich einen Wunsch in mir trage, z.B. weil es mir gerade wichtig ist, Avocados für mich zu kaufen oder mich noch umzuziehen, bevor wir irgendwo hin gehen.
Oder mir die Zeit zu nehmen, erst meine Dinge zu Ende zu bringen, bevor ich jemandem helfe. Oder es mir wert zu sein, mich in ein Café zu setzen, um einfach von dort bei einem Getränk die schöne Aussicht zu genießen, anstatt mich wieder im Van zu verkriechen.
Oder mich erst selbst zu fragen: Will ich das auch? Bevor ich der Idee eines anderen folge.
Auch, wenn es dazu führt, dass der andere dann enttäuscht ist. Denn genau das wollen wir ja vermeiden.
Wir wollen niemanden enttäuschen. Wir wollen uns nicht unbeliebt machen. Dann enttäuschen wir lieber uns selbst. Und wenn das zur Gewohnheit geworden ist, braucht es ein wenig mehr Anstrengung, diesen dicken Vorhang beiseite zu schieben, um sich selbst wieder sehen und fühlen zu lernen.
Ich werde mich selbst nicht mehr enttäuschen und andere wichtiger nehmen als mich selbst. Denn ich trage die größte und auch die alleinige Verantwortung NUR für mich selbst! Und ich darf mich mindestens genau so lieb haben, wie meinen allerliebsten Freund oder Partner.
Na, vielleicht hast du aus dieser so unspekakulären Kopfgeschichte ja eine kleine Geschichte auch aus deinem Kopf-Leben erinnert und ich hoffe sehr, du erinnerst dich daran:
Du darfst dich selbst wichtiger nehmen, als dein Kopf denkt.
Ich umarme dich von Herzen
deine Olivia
💪Hol Dir Deine Macht zurück
👉@BewusstFreiLebendigSein