Osho schrieb einmal:
„Ich habe einmal eine Blume so sehr geliebt, dass ich sie nicht pflückte, sondern sie dort ließ, wo sie war.“
An anderer Stelle sagte er:
„Wenn ich dich liebe, will ich nichts von dir, nicht einmal deine Liebe.“
Und Goethe schrieb:
„Wenn ich dich liebe, was geht dich das an?“
Mich bringen diese drei Zitate immer wieder zum Nachdenken. Nicht, weil ich ihnen uneingeschränkt zustimme, sondern weil sie eine Frage aufwerfen.
Wann wird Liebe zu Besitz?
Ich glaube nicht, dass Liebe bedeutet, nichts mehr zu wollen. Ich glaube auch nicht, dass der Wunsch nach Nähe etwas Schlechtes ist.
Wir alle wünschen uns, geliebt zu werden. Wir hoffen, dass ein Mensch bei uns bleibt. Wir leiden, wenn er geht.
Das ist zutiefst menschlich.
Aber vielleicht liegt genau hier der entscheidende Unterschied.
Es ist ein Unterschied, ob ich mir wünsche, dass ein Mensch bleibt, oder ob ich glaube, er müsse bleiben.
Es ist ein Unterschied, ob ich mich über erwiderte Liebe freue oder sie als selbstverständlich betrachte.
Und es ist ein Unterschied, ob ich einen Menschen liebe oder ob ich ihn besitzen möchte.
Kein Mensch gehört uns.
Nicht unser Partner. Nicht unsere Kinder. Nicht unsere Eltern. Nicht unsere Freunde.
Wir dürfen einen Teil ihres Weges mit ihnen gehen. Wir dürfen sie begleiten, sie lieben und Erinnerungen mit ihnen teilen. Aber wir können keinen Menschen zu unserem Eigentum machen.
Vielleicht besteht wahre Liebe deshalb nicht darin, nichts zu fühlen oder nichts zu wollen. Vielleicht besteht sie vielmehr darin, dem anderen seine Freiheit zu lassen, selbst dann, wenn sie uns schmerzt.
Denn Liebe kann sich Nähe wünschen, ohne Freiheit zu nehmen.
Besitz dagegen beginnt dort, wo aus einem Wunsch ein Anspruch wird.
Vielleicht ist genau das der Gedanke, auf den Osho und Goethe aufmerksam machen wollten.
Und vielleicht liegt die Wahrheit, wie so oft, nicht in den Extremen, sondern irgendwo dazwischen. Denn Liebe braucht Freiheit. Aber sie lebt auch von der freiwilligen Entscheidung zweier Menschen, immer wieder zueinander zu sagen: Ich bleibe.
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