»KOPFGESCHICHTEN (4)» Fortsetzung
… Richie bemerkt es schon und wartet förmlich auf den Satz: Schatz, lass uns einen neuen Platz suchen. Ich fühle mich hier nicht mehr wohl.
Und dann, wenn von ihm nicht gleich ein: „Ok, Schatz oder ein Ja, das sehe ich auch so“ kommt, was meistens der Fall ist. Sondern eher ein: Ist es mal wieder soweit? Ja dann wird es für mich, ähm, für mein Ego, unbequem.
Mein Kopf gerät dann in Erklärungsnot und zählt alle möglichen Dinge auf, warum, wieso, weshalb ich jetzt hier weg muss, damit es mir wieder besser gehen kann. Er suggeriert mir sogar, dass ich gut für mich sorge, weil ich mir schließlich den Raum nehme, zu sagen, dass ich jetzt einen besseren Ort verdiene! Wenn das keine Selbstliebe ist??? (;-))
Und je tiefer dieser Austausch dann zwischen uns wird, umso schmerzlicher wird mir klar: Es ist nicht der Ort, es sind nicht die Umstände. Es könnte auch ganz anders sein. Es liegt vielleicht einzig und allein an mir!
Doch das will mein Kopf so oft nicht hören und er reagiert entsprechend mit Abwehr, Frust und Unverständnis.
Ganz intensiv war es, als wir einmal einige Wochen an einem Platz standen, an dem wir mit einem bunten Haufen sehr unterschiedlich tickender Menschen gemeinsam dabei waren, an ihrem Projekt mit zu wirken durch viel körperliche Arbeit aber auch intensive Austausch-Treffen, um neue Strukturen zu schaffen und Ideen zu entwickeln.
Dort gab es weder Struktur, noch Harmonie. Stattdessen Unruhe und überall Störfelder. Für mich kaum aushaltbar. Denn diese Störfelder waren nicht einmal greifbar. Ja sogar Menschen, die ich nie und nimmer freiwillig hätte treffen wollen. Das Wetter war ebenso unbeständig….viele Gewitter, Regen, Matsch, Dreck….
Reinigende Gewitter auch auf energetischer Ebene.
Viel Dreck wurde sichtbar, der einige Zeit brauchte, um in mir überhaupt eine greifbare Ordnung zu finden, aus der heraus endlich Erkenntnisse folgen konnten.
Jeden Tag aufs Neue übte ich mich darin, das Gute in allem zu entdecken, in mich zu gehen, meine Grenzen kennen zu lernen, meine Grenzen wahren zu lernen, meine Triggerthemen anzuschauen, mir dafür den Raum, ja auch Schutzraum für mich zu nehmen und immer wieder durchzuatmen und alle Kraft zu bündeln.
Trotz all des kräftezehrenden Ganzen war es noch nicht Zeit, den Platz zu verlassen.
Wenn ich ganz still wurde, spürte ich das auch. Erst später spürten wir beide, es war Zeit, Abschied zu nehmen.
Und dieser Abschied wurde sogar zu einem wunderbaren Abendfest mit gutem Essen, Gesang, Musik und Tanz mit den Menschen, die zu dieser Zeit noch dort waren.
Je öfter ich heute an diesen transformativen Lebensabschnitt zurück denke, umso deutlicher wird mir, wie viel Lernpotential darin für mein inneres Reifen enthalten war.
Hätte ich auf meinen Kopf gehört….ich hätte diese Zeit als Fehlentscheidung verdrängt und vielleicht sogar bereut.
Heute weiß ich, dass mein Kopf einem angelernten Gewohnheitsmuster folgt, immer dann, wenn es für ihn unangenehm wird. Mein Kopf will mir einreden, dass diese Menschen, diese Orte nicht zu mir passen, weil sie mich triggern, äh, weil sie doof sind. Punkt.
Und da ich, wie viele von uns, in jungen Jahren nie gelernt habe, mit unangenehmen Situationen umzugehen, bin ich geflüchtet. Immer auf der Suche nach nach etwas Besserem, nach dem Perfekten!
Ja, und stets die Suche nach dem Glück, nach dem Wohlgefühl, nach innerer Sicherheit! Nicht wahr? Wie viel Sicherheit brauchen wir wirklich? Ich glaube, wir können mehr aushalten und sind viel stärker, als wir denken.
Nun, die Suche nach dem perfekten Platz, die hört auch bei mir nicht auf. Ich weiß, ich kann sie nur in mir selbst beenden, diese Suche. Aber es gibt nun mal auch noch das Außen hier in dieser irren Welt….und viele Möglichkeiten.
Gerade an diesem Morgen, denkt mein Kopf: Hach, es könnte leiser sein, such dir einen stilleren Platz, an dem du für dich sein kannst. Hier ist zu viel los. Zu viele Touristen, zu wenig Strand, zu viele Autos, zu viel Bumbum in der Nacht.
Und ich verliere mich in googlemaps-Suche, bleibe aber irgendwie erfolglos.
Es gibt Tage, da gelingt es mir mit Leichtigkeit, neue Plätze zu finden. Und es gibt welche, an denen es mir nicht gelingt, so, wie heute. Ich glaube, da gibt es einen Zusammenhang.
In diesem Moment bemerke ich, wie viel Kraft mich diese Suche auf google-maps kostet und schaffe es, die Suche bewusst zu beenden und nicht krampfhaft weiter zu suchen, bis meine Laune umschlägt.
Ich klappe mein Laptop einfach zu. Ich atme durch und erzähle Richie, dass ich mal wieder auf der Suche nach einem neuen Platz war, weil mich hier dieses und jenes stört. Es scheint wohl auch jetzt und hier noch nicht die Zeit zu sein, diesen Platz zu verlassen.
Und wir beide entscheiden dann ganz bewusst, diesen Platz einfach einen guten Parkplatz sein zu lassen und den Tag anders zu verbringen. Wir wandern den ganzen Tag und entdecken wunderschöne Plätze, die von unserem Standort aus nicht erkennbar sind.
So nahm ich mir also den Stress und blickte mit neuen Augen auf diese Situation. Ich gab ihr eine neue Chance. Es veränderte sich mein Eindruck von diesem Ort.
Diese neue Entscheidung, weg von meinen Kopfgeschichten, brachte mir neue schöne Momente, mit denen mein Kopf gar nicht gerechnet hätte. Wir blieben sogar noch zwei weitere Tage.
Und dann, als die Zeit passte, fand ich einen neuen Platz und es ging fließend und innerlich friedvoll weiter.
Die Suche nach dem perfekten Platz, die kommt von ganz woanders. Das weiß ich mittlerweile. Es ist die stetige Sehnsucht nach dem inneren perfekten Frieden. Doch ich merke, ich finde ihn immer öfter auch im Außen. Und das zeigt mir, dass ich immer tiefer in mir selbst ankomme.
Wie lang wird dieser Weg wohl noch sein? Es ist nicht wichtig. Viel wichtiger ist, dass es für mich immer leichter wird, da, wo ich gerade bin, aus meinem inneren Frieden heraus das Leben da draußen in seiner schönsten Vielfalt und Tiefe erfahren zu können.
Erinnere dich: Dein inneres Erleben hat mehr Einfluss auf deine äußere Welt, als dein Kopf denkt.
Ich umarme dich von Herzen
deine Olivia
💪Hol Dir Deine Macht zurück
👉@BewusstFreiLebendigSein