»DIE SEHNSUCHT NACH DER WAHREN LIEBE – 2« Fortsetzung
…Von meinem Schreibtisch aus blicke ich aus dem Fenster, genau auf unser Nachbarhaus in dem dieser Junge lebt. Er hat zwei Brüder. Seine Eltern sind Griechen. Michael ist hübsch und sehr brav und schüchtern. Er redet kaum. Sein schwarzes Haar säumt sein makelloses Gesicht und seine dunkelbraunen Augen.
Wir sind in derselben Klasse und die Lehrerin hat uns nun sogar nebeneinander gesetzt. Wir sprechen nicht miteinander, denn wir sind beide viel zu schüchtern.
Und in diesem Moment, als ich so vor mich hin träume und mir vorstelle, wie in der Geschichte von der Schneekönigin, wie von meinem Fenster aus hin zu Kai, der in meinem Leben Michael heißt, diese Brücke aus Rosen wächst….. und dann nehme ich dieses schöne Blatt aus meiner Briefpapierbox und schreibe mit klopfendem Herzen diese Zeilen.
Den fertigen Brief mit der goldenen Rose muss ich jetzt irgendwie zur Haustüre bringen und ihn in den Briefkastenschlitz stecken.
Oh, man. Wenn mich jemand sieht….Es ist ein Abenteuer. Ich traue mich. Vielleicht ist dies überhaupt das erste Mal, dass ich all meinen Mut zusammen nehme und mich etwas traue! Ich bin stolz und unsicher zugleich. Niemandem erzähle ich davon. Und niemals bekomme ich eine Antwort. Im Gegenteil. Michael ignoriert mich fortan noch mehr.
Erst Jahre später erfahre ich von meiner Mutter, dass seine Mutter ihr das erzählt habe von dem Brief. Und als sie ihrem Sohn diesen Brief gab, hat er sich geschämt und sogar vor Scham geweint. Schade. Das hatte ich nun wirklich nicht gewollt.
Meine richtig große Liebe ca. 5 Jahre später ist erneut ein Klassenkamerad. Er hat denselben Doppeltape-Cassettenrecorder, der in den 80ern so richtig cool daher kommt, wenn man ihn auf den Schultern bei sich trägt ;-). Er mag dieselbe Musik wie ich, und er ist Linkshänder, wie ich. Wir sind die einzigen Linkshänder in unserer Klasse. Und ich finde uns besonders.
Wir kannten uns schon Jahre und plötzlich sind wir zusammen. Wir knutschen um die Wette und es gibt für mich nichts Schöneres als das. Stundenlang, liegen wir in meinem Partykeller auf dem Flokatiteppich, halten uns einfach an den Händen und hören Barcley-James-Harvest vom Life-Konzert in Berlin. Wir sind wie weg gebeamt. Es gehörte für mich zu den schönsten Momenten in meinem Leben. Ich war damals 14.
Wenn ich verliebt war, brauchte ich kaum etwas zu essen. Ich war schlank und fühlte mich so leicht, dass ich hätte abheben und fliegen können. Es gab dann noch mehrere Momente dieser Art. Ja, natürlich auch Herzschmerz und Trauer. Aber mir geht es jetzt um dieses Verliebt-Sein.
Warum war ich so gerne verliebt? Plötzlich wurde es mir klar, viele Jahre später. Es ging nicht darum, dass ich in dieser Zeit nichts zu essen brauchte und wieder meine Traumfigur hatte.
Es wurde mir klar in einem Moment der Dankbarkeit über diese wundervollen Jahre mit Richie, in denen ich soo sehr wachsen konnte. Wachsen in meine Liebe zu mir selbst.
Genau deshalb war ich so gerne verliebt. Darum war für mich die Sehnsucht nach der idealen Partnerschaft Zeit meines Lebens so essentiell gewesen. Ich war immer auf der Suche nach mir selbst. Wollte mich im anderen erkennen, in Liebe erkennen können, damit ich mich irgendwann selbst lieben konnte.
Darum fühlen wir uns so wohl in den liebenden Armen unseres Gegenübers. Es erinnert uns nicht nur an Zuhause, wo auch immer das ist, es erinnert uns an die Liebe, die uns verloren ging. In dieser Verliebtheit fühlen wir uns „angekommen“ und darum so lebendig und auch mutig und stark. Ich finde, das sollte unser „Normalzustand“ sein, findest du nicht auch?
Wow, klingt abgehoben, kitschig oder verrückt?
Ich erzähle dir nur von meiner Wahrheit. Es ist zu meiner Erkenntnis geworden. Und ich bin echt froh und dankbar um diese Erkenntnis. Für mich stimmt es.
Mir ist so bewusst, dass wir alle im Liebesmangel mit uns selbst sind. Denn dafür sorgt unser Umfeld gut genug. Ich meine damit nicht unsere Liebsten und unsere Freunde. Ich meine all das andere darum herum. Dieses kranke System, dass uns bewusst und geschickt in den Mangel lenkt und dort gefangen hält über viele Generationen.
Stell dir nur vor, wir würden uns alle so wertschätzen, so lieben, wie wir sind, wie es sein sollte! Würden wir dann noch so leben, wie wir es jetzt tun? Wären wir dann immer noch im Mangel, unglücklich, im Funktionsmodus Kopf gefangen? Und ewig auf der Suche?
Ich glaube nicht. Und du? Was ist deine Wahrheit dazu? Wenn es dich bewegt, schreibe gerne in den Chat.
Vielleicht sehnen wir uns oft in erster Linie nach dieser Liebe, diesem Halt, nach dem, was uns selbst oft fehlt und sind dann bald enttäuscht, wenn nach dieser Verliebtheitsphase unsere Bedürfnisse dann doch nicht befriedigt werden.
Und wir verstehen nicht, warum das so ist. Weil wir ein falsches Bild von Partnerschaft, von Traumbeziehung haben. Weil wir im Ego feststecken. Weil wir insgeheim hoffen, dass unser Partner uns all das gibt, das wir so sehr vermissen.
Bleibe ich in dieser Bedürftigkeit und Erwartungshaltung, dann bleibe ich im eigenen Mangel stecken. Ich kann mich von einer Verliebtheit in die andere begeben. Immer kurze schöne Momente mit verschiedenen Menschen haben. Immer so lange, bis es ernst wird. Bis die rosarote Brille abfällt.
Oder ich kann mir selbst ehrlich begegnen. Mich fragen, was gebe ich denn dem anderen? Kann ich das geben, das ich mir vom anderen wünsche? Oder kann ich es auf die nächst höhere Stufe bringen: Kann ich in eine Partnerschaft gehen, obwohl ich auch gut alleine sein könnte?
Kann ich mich auf jemanden einlassen, weil das Herz gerade schreit und mein Kopf völlig austickt? Ohne zu wissen, warum und was genau daraus entstehen wird? Kann ich gegen den Verstand fühlen, da ist mehr als nur körperliche Anziehung, mehr als nur Gesten der Bedürfnisbefriedigung?
Bin ich bereit, mich voll und ganz einzulassen auf den anderen? Nicht blindlings aber in der Tiefe voll bewusst zu vertrauen? Weil da ein inneres Gefühl in mir wohnt, das sagt: Oh, das passt so sehr. Ich fühle mich zu Hause, ich will das jetzt leben zu 100%!
Ich kann so sein, wie ich bin, ohne mich verstellen zu müssen. Ich kann ehrlich sein, ich kann über alles offen reden. Ich kann mein Gegenüber so respektieren und wertschätzen, wie er oder sie ist. Ich bin bereit, durch Dick und Dünn zu wachsen!
Ja, zu wachsen. Denn das ist der springende Punkt! Dann hat diese Partnerschaft das Potential, eine langwierige glückliche Angelegenheit zu werden!
Denn ich sag’ immer: Traumpartnerschaft ist kein Dauerurlaub. Traumpartnerschaft ist ein Beschleuniger für mein Wachstum! Ein Wachstumsbeschleuniger der schönsten Art, weil wir in der Liebe wachsen können!
Denn es gibt auch Lern-Beziehungen der weniger schönen Art. Die haben wir alle meistens durch, bevor es zur Traumpartnerschaft oder Seelenpartnerschaft, nenne es wie du willst, kommen kann.
Auch da geht es ums Wachsen, ums Erwachsen-Werden. Oder ich könnte auch sagen: Es geht immer darum, deinen eigenen Weg der Entwick’lung zu dir selbst zu gehen. Und wenn sich zwei Menschen gemeinsam in die gleiche Richtung der Entwick’lung begeben, dann macht es einfach doppelt Spaß!
Doch oft sind wir so im Mangel gefangen und noch so unbewusst, dass die Liebe nicht wirklich fließen kann oder sogar ganz fehlt. Oft ist sie an Bedingungen geknüpft. Wenn du nicht...dann kann ich dich nicht lieben! Und dann wollen wir den anderen immer wieder verändern, stimmt’s?
Das ist meine Erfahrung, die ich hier mit dir teile.
Erinnere dich: Deine Sehnsucht nach der wahren Liebe, der idealen Partnerschaft hat mehr mit der Liebe zu dir selbst zu tun als dein Kopf denkt.
Ich umarme dich herzlich
deine Olivia
💪Hol Dir Deine Macht zurück
👉@BewusstFreiLebendigSein