Teil 1
WIR SIND DURCHS LÖWENTOR GERITTEN 🦁
Früher hab ich immer gedacht, wenn ich an einem Ort leben würde mit gleichgesinnten Menschen, würd es mir besser gehn.
Dann hab ich an diesen Orten gelebt, bis ich gemerkt hab: Hinter all dem hippytrippyspiriflow sind auch nur Menschen. Menschen, die etwas sein wollen. Dazugehören wollen. Gesehen werden wollen. Recht haben wollen. Überleben müssen.
Ich fand das auch anstrengend. Immer lächeln. Immer küssen. Immer schön bewusst reden. Immer dankbar sein. Immer dürfen statt müssen. Immer in der richtigen Frequenz sein. Immer irgendwie erleuchtet schauen, auch wenn man eigentlich grad einfach scheisse ist.
Ich glaub, ich hab mich immer schon dort wohlgefühlt, wo keiner fragt, welches Chakra grad blockiert ist. Wo Menschen halt einfach sagen: Scheißtag. Ende.
Mir wurde öfters gesagt, Moksha, bei dir merkt man überhaupt nicht, dass du Yoga Lehrerin bist 🫣.
Ich bin viel nach Indien gereist. Volles Programm. Tempel. Mantren. Räucherwerk. Göttinnen. Yogis. Gurus. Kokosnüsse. Straßenstaub. Festivals. Liebesgeschichten mit Verschmelzungspotenzial… für genau einen Tag, bis die nächste Dualseele vorbeigeflogen ist für ein kosmisches Erlebnis. 😂 Aber es hat mich so satt gemacht, dass ich das nächste Jahr zu Hause irgendwie besser überleben konnte.
Heute reise ich kaum noch. Ich bin müde. In den letzten acht Jahren ist viel passiert. Viel Schönes. Viel Brutales. Viel, das mich leiser gemacht hat. Vorsichtiger. Vielleicht auch misstrauischer gegenüber allem, was sich zu schnell nach Wahrheit anhört.
Die Wildheit ist trotzdem noch da.
Ich bin nur vorsichtiger geworden mit meiner Art. Selbstschutz nennt man das.
Innerlich sitzt trotzdem noch diese Stimme in mir, die sagt: Können wir bitte aufhören, aus jedem Scheiß eine Einweihung zu machen und allem und jedem eine Bedeutung zu geben?
Und gleichzeitig liebe ich Rituale. Ich liebe Göttinnen. Ich liebe Yoga Nidra. Ich liebe Seelenreisen. Ich liebe dieses Unsichtbare. Ich liebe es, wenn etwas plötzlich tiefer wird als Sprache.
Es braucht spirituelle Sehnsucht. Ganz sicher. Retreats. Gurus. Pflanzenmedizin. Kreise. Tempel. Psychotherapie. Zeremonie, damit man sein eigentliches Leben besser verstehen lernt.
Die Beziehung.
Die Familie.
Die Süchte.
Die Menschheit.
Dann die Wege der Erleuchtung , Non-Dualität, „Ist das wirklich wahr?“, Manifestation, Schattenarbeit, Nervensystem, Frequenzen, Portale. Vieles davon hat mir gedient. Wirklich.
Aber irgendwann ist es auch genug.
Weil oft bist du nicht nur aus deiner Frequenz gefallen. Manchmal hast du einfach Scheiße gebaut.
Es ist nicht immer die Matrix. Manchmal ist es Feigheit.
Es ist nicht immer Projektion. Manchmal hast du jemanden verletzt.
Manchmal braucht es kein Gelaber, sondern Rückgrat.
Das ist mein persönliches Löwentor.
Meine Vorstellungen loszulassen.
Immer mehr Konzepte zu durchschauen.
Keinen Lehrer mehr zu suchen.
Keine Bücher mehr.
Ich lese sicher seit gut zehn Jahren kein einziges Selbsthilfebuch mehr.
Es geht nichts mehr rein in meinem Kopf, kennt ihr das?
Ich schaffe es eigentlich nur noch, historische Romane in Hörbuchform zu konsumieren. 🫣
Spirituelle Wahrheiten in den Wind zu schießen, die einmal eine Tür geöffnet haben und irgendwann merkst du einfach: Du bist für kein einziges Konzept auf Dauer gemacht.
Aber alle haben eine Spur hinterlassen. Und alle haben irgendwie geholfen weiterzumachen.
Ich glaube einfach, jede Erfahrung im Leben hat ihren Dienst. Auch jede Retraumatisierung. Toll ist das alles meistens nicht. Aber abenteuerlich.
Gerne darf man uns teilen 🙏
@Neuzeit_Spirit